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S/4HANA

S/4HANA Migration Cockpit

Das S/4HANA Migration Cockpit ist das von SAP empfohlene Tool zur initialen Datenmigration in ein neues S/4HANA-System (Greenfield-Implementation).

Einordnung

Das S/4HANA Migration Cockpit ist das von SAP empfohlene Tool zur Datenmigration im Rahmen einer Greenfield-Implementation (Reengineering-Ansatz). SAP liefert bereits einen beachtlichen Umfang an Migrationsobjekten aus. Berücksichtigt werden hierbei allerdings nur Stammdaten und offene Posten. Für die Bereitstellung historischer Daten müssen andere Lösungen gefunden werden.

Die altbekannte Legacy System Migration Workbench (LSMW) existiert zwar auch im S/4HANA noch, allerdings rät SAP von der Verwendung ab und unterstützt das LSMW auch nicht mehr. Nach meiner Einschätzung ist das S/4HANA Migration Cockpit ein brauchbarer Nachfolger.

Mit dem S/4HANA Migration Object Modeler stellt SAP ein Werkzeug bereit, um bestehende Migrationsobjekte anzupassen und eigene Migrationsobjekte zu erstellen.

Datenquellen (Transfer-Optionen)

Excel-Dateien

Die Daten können über Excel-Dateien in die Workbench geladen werden. Der Aufbau der Dateien ist hierbei genau vorgegeben, entsprechende Vorlagen (Templates) können pro Migrationsobjekt direkt aus der Workbench heruntergeladen werden. Die erwarteten Strukturen sind in den Dateien gut dokumentiert. Diese enthalten ggf. mehrere Arbeitsblätter, sofern für das Migrationsobjekt mehrere Tabellen erwartet werden.

Dieses Verfahren eignet sich in der Regel nur für Migrationsobjekte kleineren Umfanges, die eventuell sowieso manuell aufbereitet werden müssen. Wer sich bereits am Massendaten-Handling mit Excel versucht hat, wird wissen warum.

Analog zum LSMW stellt SAP auch hier keine Programme für das ERP-System bereit, um die erforderlichen Daten zu extrahieren. Allerdings gibt es hierfür eine andere smarte Lösung (s.u.).

Staging-Tabellen

Ein zweiter Ansatz ist die Verwendung von sogenannten Staging-Tabellen. Es handelt sich hierbei um Tabellen in der HANA-Datenbank, die durch die Workbench generiert werden. Es ist zu beachten, dass für dieses Szenario ggf. ein eigenes HANA-System benötigt wird. Allerdings können die Staging-Tabellen mittlerweile auch direkt im S/4HANA-Datenbankschema generiert werden.

Diese Tabellen müssen durch externe Tools oder durch ABAP-Coding befüllt werden. Dieser Ansatz eignet sich auch für das Einspielen von Massendaten, allerdings primär aus Drittanbieter-Systemen.

Direct Transfer

Dieser Übernahme-Modus ermöglicht eine direkt Übernahme der Daten aus einem SAP ERP System, dass über eine RFC-Verbindung angebunden wird. Hierfür muss im ERP der Data Migration Server (DMIS) installiert werden, die entsprechende Lizenz ist im S/4HANA enthalten. Die Daten werden dann direkt aus den Tabelle des ERP-Systems gelesen und in die Workbench übernommen.

Die zu selektierenden Daten können über ein vordefiniertes Selektionskriterium eingeschränkt werden. Für das ERP-Szenario ist dies der Buchungskreis. Über den Object Modeler können weitere Einschränkungen je Migrationsobjekt erfolgen, in dieser Fall ist aber die Integrität der Daten selbst sicherzustellen.

Für dieses Szenario hat SAP eigene eigene FIORI-App bereitgestellt, während die anderen beiden Szenarien auf einer Web-Dynpro-Anwendung basieren. Dementsprechend muss auch das FIORI-Launchpad eingerichtet werden.

Funktionalität S/4HANA Migration Cockpit

Bereitstellung der Daten

Entsprechend der oben beschriebenen Transfer-Szenarien werden die Daten für das Cockpit bereitgestellt. Die Daten werden in das Cockpit geladen. Beim Laden der Daten werden bereits erste Prüfungen durchgeführt (z.B. auf Mussfelder).

Werden in der weiteren Verarbeitung Fehler an den Quelldaten festgestellt, können diese nicht im Cockpit selbst korrigiert werden. Die Korrektur muss in den Quelldaten (Excel-Tabelle, Staging-Tabelle, Quellsystem) erfolgen.

Verarbeiten / Mappen

Über ein Mapping (Strukturen und Felder) werden die Daten aus dem übergebenen Quellformat in das für das API (s.u.) benötigte Zielformat konvertiert.

Ein weiterer wesentlicher Punkt ist Werte-Mapping, über das die Schlüssel aus dem Quellsystem in die Schlüssel des Zielsystems konvertiert werden. SAP liefert bereits entsprechende Mapping-Objekte aus, die durch die Lade-Läufe bereits mit 1:1-Wertepaaren gefüllt werden Die Bearbeitung und Bestätigung dieser Zuordnungen ist ein weiterer Schritt im Ladeprozess. Die Mapping-Objekte sind in der Regel objektübergreifend und können daher für alle Migrationsobjekte verwendet werden (z.B. Buchungskreis, Währung, usw.).

Daten laden

Die aufbereiteten Daten werden über API-Funktionsbausteine in das System geladen. Vor dem eigentlichen Laden erfolgt ein Simulationslauf, d.h. das API wird mit den Daten bestückt, diese werden aber am Ende nicht verbucht. Lediglich das Ergebnis der Verarbeitung wird als Meldungen und in Form eines Status bereitgestellt. Damit werden auch Abhängigkeiten zu anderen Objekten geprüft.

Final werden die Daten dann über das API in das System übernommen. Der Lauf kann über Batch-Jobs automatisch parallelisiert werden.

Migrationsprojekte

Alle Aktivitäten innerhalb des Cockpits werden in Projekten organisiert. Innerhalb des Projektes werden dann die relevanten Migrationsobjekte ausgewählt und aktiviert. Bei der Anlage der Projektes muss die Transfer-Option ausgewählt werden, die dann für alle Migrationsobjekte innerhalb des Projektes gilt.

Alle Anpassungen, die an den Migrationsobjekten vorgenommen werden, erfolgen innerhalb des Projektes und nur für dieses Projekt.

Das Projekt kann nach einem erfolgreichen Test exportiert und in ein Folgesystem wieder importiert werden. Dies erfolgt nicht über Transportaufträge, sondern über ein PC-Download/Upload. 

Migration Object Modeler

Der Migration Object Modeler ermöglicht es, bestehende Migrationsobjekte anzupassen und kundeneigene Migrationsobjekte zu erstellen. Als Basis für kundeneigene Migrationsobjekte wird jeweils ein BAPI-Funktionsbaustein benötigt.

Für den Ansatz Direct Transfer sind die Anpassungsmöglichkeiten an bestehenden Migrationsobjekten recht beschränkt. Im Notfall muss auch in diesem Fall ein eigenes Migrationsobjekt erstellt werden.

In der Entwicklung ist zu beachten, dass die Makros und der verwendbare Pseudocode für Coding-basierte Anpassungen seitens SAP nicht dokumentiert ist (Stand April 2020).

Benötigen Sie Unterstützung in Ihrem Migrationsprojekt? Ich würde mich über eine Nachricht oder einen Anruf sehr freuen!